Am 6. Februar wurde das Haus der Musik in Gunzenbach zum Kino – und anschließend zum Diskussionsraum für eine der großen Zukunftsfragen unserer Zeit: Wie kann Mobilität gerechter, klimafreundlicher und zugleich alltagstauglich gestaltet werden? Rund 40 Besucher*innen folgten unserer Einladung zum Kinoabend mit dem Film A Human Ride und einer anschließenden Podiumsdiskussion zur Verkehrswende im ländlichen Raum.
Zu Gast war Tarek Al-Wazir, Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Deutschen Bundestag. Gemeinsam mit Frank Groß, Grünen-Gemeinderat und Radverkehrsbeauftragtem der Gemeinde Mömbris, sprach er über Chancen, Hürden und konkrete Perspektiven für eine zukunftsfähige Mobilität vor Ort. Auch Niklas Wagener, Bundestagsabgeordneter aus dem Landkreis, verfolgte die Diskussion aufmerksam.
Worum geht es in A Human Ride?
Der Dokumentarfilm A Human Ride begleitet Menschen auf einer gemeinsamen Fahrradtour quer durch verschiedene Länder. Im Mittelpunkt steht dabei nicht sportliche Leistung, sondern der menschliche Blick auf Mobilität: Wie bewegen wir uns fort? Was bedeutet Mobilität für Freiheit, Teilhabe und Begegnung? Und wie verändern sich Perspektiven, wenn das Auto einmal nicht im Mittelpunkt steht? Der Film erzählt ruhig, persönlich und inspirierend davon, wie Fortbewegung verbinden kann – mit Menschen, Landschaften und gesellschaftlichen Fragen rund um Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit.
Verkehrswende im ländlichen Raum: ehrlich, realistisch, gemeinsam
In der anschließenden Diskussion wurde schnell deutlich: So inspirierend die Visionen des Films sind, so komplex ist die Realität gerade im ländlichen Raum. In Gemeinden wie Mömbris gibt es viele Situationen, in denen Menschen aktuell auf ein Auto angewiesen sind – etwa wenn pflegebedürftige Angehörige regelmäßig bewegt werden müssen oder wenn ältere Menschen in kleineren Ortsteilen ohne eigenes Fahrzeug kaum am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.
Genau hier setzte der Austausch an. Verkehrswende darf nicht bedeuten, Menschen Vorschriften zu machen oder ihre Lebensrealität auszublenden. Sie muss Lösungen schaffen, die Alternativen ermöglichen: einen verlässlichen und gut angebundenen öffentlichen Nahverkehr, flexible Angebote wie Ruf- oder Bürgerbusse, sichere und durchgängige Radwege sowie Mobilitätskonzepte, die auch Pflegearbeit, Ehrenamt und Alltag mitdenken.
Der Kinoabend zeigte: Es geht nicht um „Auto gegen Fahrrad“, sondern um eine Mobilität, die Wahlmöglichkeiten schafft – für Jung und Alt, für Familien, Pendler*innen und Senior*innen. Eine Verkehrswende, die Klimaschutz mit sozialer Verantwortung verbindet und niemanden zurücklässt.
Wir danken allen Gäst*innen für ihr Kommen und den offenen Austausch. Der Abend hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig der Dialog vor Ort ist – und dass die Verkehrswende im ländlichen Raum nur gemeinsam, Schritt für Schritt und mit Blick auf die Menschen gelingen kann.



